Über mich,

Es war vielleicht vier Jahre vor Corona, als ich mich zum ersten Mal mit Keramik beschäftigt habe. Ein entsprechender Kurs wurde an der Volkshochschule in meiner Heimatstadt Essen angeboten.

Die Kursleiterin, eine diplomierte Bildhauerin, freute sich sehr über den ersten männlichen Kursteilnehmer seit Jahren. Immer wieder wollte sie mich anhalten, mit der Arbeit an einer Skulptur zu beginnen. Ich muss eine ziemliche Enttäuschung gewesen sein. Ich wollte ausschließlich kleine Pflanzgefäße machen und einen Teil davon zu allem Überfluss noch glasieren. Der exzellenten Bildhauerin kam das alles sehr japanisch vor. Aber sie ließ mich gewähren...

Die Schließung der VHS mit Beginn der Corona-Pandemie bedeutete ein unerwartetes Ende meiner Bemühungen, bis ich mir ein Jahr später einen eigenen kleinen Brennofen zugelegt habe.

Uwe Harwardt

meinen Kiln Ghost

Kiln Ghost

Im letzten Semester vor der unerwarteten Schließung der Volkshochschule wollte ich meiner Kursleiterin demonstrieren, dass ich noch erheblich schlechter modellieren als töpfern konnte. So knödelte ich in knapp einer Viertelstunde meinen ersten Monsterkopf.

Zu meiner Überraschung fiel das Urteil aller beim Aussetzen des Ofens Anwesenden doch recht positiv aus. Noch nicht einmal die frech herausgestreckte Zunge wurde von der kursleitenden Diplom-Bildhauerin als unangemessen betrachtet.

Seit dieser Zeit steht mein kleiner Ofengeist in der Nähe meines Brennofens und überwacht den Vorgang im glühend heißen Inneren. Nun, gelegentlich ist er nicht aufmerksam genug und hin und wieder erlebe ich eine unangenehme Überraschung, wenn ich den Ofen nach einem Brand öffne. Mal ist ein Teil des Inhaltes zu Bruch gegangen, ein anderes Mal lief eine zu flüssig geratene Glasur herab und verklebte beim Erkalten meine Schalen mit der Ofenplatte.

Aber auch wenn ich mich auf meinen Ofengeist nicht immer verlassen kann: Ich werde unverdrossen weiter Kusa-Pots produzieren und mit etwas Glück und noch mehr Übung werden diese vielleicht irgendwann sogar recht gut.

und mein Töpfer-Siegel

Kusa-Pots.de - Pottery Sign

Nach der Anschaffung meines eigenen Brennofen sollte auch ein neues Töpfersiegel meine Schalen zieren. Ging es in der VHS lediglich darum, die Arbeiten der Kurs-Teilnehmern zuordnen zu können, wollte ich nun doch ein Symbol verwenden, welches sowohl auf meine Person als auch meine »künstlerische« Intention verweist.

So kombinierte ich das japanische Kanji 草 mit meinen Initialen.

Warum jedoch ein japanisches Schriftzeichen?

Das Kanji 草 kann auf zwei verschiedene Arten gelesen werden:
In der Kun-Lesung bedeutet es »Gras oder Kraut« wie in »Kusamono« (草物, wörtlich »Grasding«),
in der On-Lesung kann es je nach Zusammenhang als »Entwurf« oder »Konzept«, »kursiv« oder auch »informell« verstanden werden.

Beide Bedeutungen charakterisieren meine Schalen doch recht gut, oder?