Die von mir geschaffenen Keramik-Schalen bezeichne ich als
haben einen rustikalen, mitweilen sehr derben Charakter.
hoch glänzend oder seidenmatt eignen sie sich besonders für zarte Gewächse.
Skurrilitäten, Absurditäten, Prototypen und nutzloses Zeugs, welches meinem Ofen entsprungen ist.
Was unterscheidet denn einen Kusa-Pot von den in Deutschland gebräuchlichen Übertöpfen, in denen seit Großmutters Zeiten die Zimmerpflanzen auf der Fensterbank stehen? Nun, Großmutter würde einen bepflanzten Kusa-Pot auf einen Untersetzer stellen, denn er hat zumindest ein Abflußloch, durch welches überschüssiges Gießwasser herauslaufen wird. Und dann wäre da noch eine ungewohnte Form- und Farbgebung zu nennen. Beides ist der Verwendung geschuldet, denn Kusamono stehen eher selten in Wohnräumen am Fenster.
Kusamono und Shitakusa: Dem Bonsaifreund sind sie mehr oder weniger bekannt und schon landen wir im fernen Japan...
Fern ist uns Japan nicht nur in Kilometern oder Flugstunden - auch die japanische Ästhetik, die sowohl in den unterschiedlichsten Kunstrichtungen als auch überall im Alltag zu erkennen ist, unterscheidet sich ganz erheblich von unserem seit der griechischen Antike geprägtem Empfinden für das »Schöne«.
Bedeutung: »Wahrheit« oder »Aufrichtigkeit«, steht für konsequente, formelle Regeln und präzise Ausführung. Bonsaischalen werden häufig im Shin-Stil gestaltet. Die strenge, aber zugleich klare und zurückhaltende Formgebung unterstützt die meisten Bonsaistile, bildet quasi einen »Rahmen« für den Baum.
Bedeutung: »Bewegung« oder »Reise«, repräsentiert einen Mittelweg, der zumeist aus einer Kombination formeller und informeller Aspekte besteht.
Bedeutung: Je nach Lesart »Gras« oder »Kraut« bzw. »Entwurf« oder »grob«, steht für Natürlichkeit und Originalität, in der Kalligrafie für einen kursiven, expressiven Schriftstil. Keramik im Sō-Stil ist oftmals unglasiert und hat einen derben rustikalen Charakter.
Tief sowohl im Shinto als auch in den buddhistischen Glaubensvorstellungen ist das ästhetische Konzept des Mono no aware (japanisch: 物の哀れ) verwurzelt. Es bezeichnet ein melancholisches Verständnis für die Vergänglichkeit aller Dinge und des Lebens selbst: Das Erleben des wertgeschätzten Augenblicks verbindet sich mit dem Wissen um seine Nicht-Dauerhaftigkeit zu einer tiefen Empfindung.
Am bekanntesten ist uns Europäern vermutlich die Tradition des Hanami. Zur Betrachtung der blühenden Kirschbäume versammeln sich Familien und Freundeskreise in Parks und Gärten, genießen gemeinsam die ersten warmen Tage des Jahres, erfreuen sich an der überreichen Blüte der japanischen Kirschbäume in dem Wissen, dass bereits nach wenigen Tagen diese Blütenpracht verschwunden sein wird.
Die Worte Wabi-Sabi (侘寂) bilden wieder einen dieser nahezu unübersetzbaren Begriffe, dessen heutige Bedeutung sich seit dem 16. Jahrhundert etablierte. Seinerzeit hat der Tee-Meister Sen no Rikyū Schlichtheit, Natürlichkeit und die Spuren der Zeit zu einem Ideal besonders im Rahmen der Tee-Zeremonie erhoben.
Dem unvollkommenen, bescheidenen Gegenstand wird besonders dann höchste Wertschätzung entgegengebracht, wenn er Spuren aufweist, die auf ein hohes Alter und langjährigen Gebrauch schließen lassen.
Ich bin sicherlich kein Experte für japanische Ästhetik und die stark verkürzten Erläuterungen zu Shin-Gyō-Sō, Mono no aware und Wabi-Sabi kratzen kaum an der Oberfläche. Dennoch sollten die obigen Worte bei der Präsentation von Bonsai etc. berücksichtigt werden.
Die Kenntnis der oben aufgezählten Prinzipien helfen uns, die Präsentation von Bonsai, Kusamono oder Suiseki in Verbindung mit ergänzenden Elementen wie Tenpai, Suiban, Daiza, Jita und Kakemono besonders stimmig zu gestalten.
Ein vollständiges Display sollte das Prinzip von Shin-Gyō-Sō nicht verletzen. Das bedeutet, dass einzelne Elemente des gesamten Displays nicht beliebig kombiniert werden sollten. Ein Bonsai im Shin-Stil, beispielsweise eine streng aufrechte Form, kann gut mit einem Shitakusa im Shin- oder Gyō-Stil ergänzt werden. Eine Akzentpflanze in einer informellen Schale (Sō-Stil) unterstützt hingegen eher einen Bonsai im Literaten-Stil.
Auch die weiteren Elemente ordnen sich diesem System unter: Der streng aufrechte Bonsai steht auf einem Tisch mit klaren Linien während ein Moyogi vielleicht auf einem etwas »verspielten« Tisch besser zur Geltung kommt. Eine Kaskade schließlich ließe sich mitunter gut auf einem rustikal anmutenden Sockel präsentieren.
Das Ende der Vegetationsperiode ist gekennzeichnet durch vertrocknende Gräser, herabfallende Blätter, die letzten am Baum verbliebenen Früchte. Uns überkommt eine gewisse Melancholie: Der Sommer ist vorbei, es naht die kalte und dunkle Jahreszeit. Wir stellen vielleicht Bäume im Sō-Stil aus und ergänzen sie mit herbstlichen Shitakusa. Das Rollbild zeigt einen wolkenverhangenen Mond oder ein einzelnes, auf dem Erdboden liegendes Blatt in intensiver Herbstfärbung.
Tatsächlich alt muss sie nicht sein, die Schale, in die ein in Würde gealterter Baum gepflanzt wird. Dennoch wird eine Bonsaischale, die die Anzeichen langjähriger Nutzung erahnen läßt, einem ehrwürdigen Solitär oder einem seit langem gestalteten Yamadori eher gerecht als eine glänzende, neue Schale. Umwelteinflüsse wie Regen und Sonne, Düngerrückstände und Mineralien aus dem Gießwasser und nicht zuletzt das Hautfett des Besitzers, der die Schale häufig in die Hand nimmt, bilden im Laufe der Zeit eine Art Patina. Zusätzlich kann es zu kleinen Abplatzungen der Glasur oder einer Beschädigung des Randes kommen, welche die Funktionalität der Schale nicht beeinträchtigen. Niemand sollte seiner alten Bonsaischale mit aggressiven Reinigungsmitteln zu Leibe rücken, um eine wertvolle Patina nicht zu beschädigen. Und einen kleinen Sprung in Schüssel nimmt man gelassen hin, solange es nicht die »eigene Schüssel« (😉) ist.
Letztendlich währt nichts ewig und eben das empfinden wir als Wabi-Sabi!